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Ein Sonntag im Leben eines Hundehalters.

LAMENT OF A STUD DOG / KLAGE EINES DECKRÜDEN

Punkti  - Angela Star of Cherryglen


Die Eigentumsrechte des Hundes

  1. Wenn es mit gefällt, gehört es mir.
  2. Ist es in meiner Schnauze, gehört es mir.
  3. Kann ich es dir wegnehmen, gehört es mir.
  4. Wenn ich es vor langer Zeit mal hatte, gehört es mir.
  5. Wenn es mir gehört, sollte es niemals so aussehen, als gehöre es dir.
  6. Wenn ich etwas in Stücke zerkaut habe, gehören alle Teile mir.
  7. Wenn es so aussieht, als gehöre es mir, gehört es mir.
  8. Wenn ich es zuerst gesehen habe, gehört es mir.
  9. Wenn du mit etwas spielst und legst es auf den Boden, gehört es automatisch mir.
  10. Ist es kaputt, gehört es DIR !!!


 Ein Sonntag im Leben eines Hundehalters.

Es ist Sonntag und ich muß einfach schreiben, wie der Tag bisher war:
ER ist mein Hund, ER heisst Jimmy, ER ist ein Mischling, ER ist seeehr gross und sehr braun und ER schafft mich langsam...
hh:mm:ss
05:30:00 Wecker piepiep
05:30:10 Scheisse, gestern angelassen, hoffentlich hat ER nichts gehört.
05:30:11 Wecker aus
05:30:50 Schlafzimmertür geht auf.
05:31:00 ER kommt, schnell schlafend stellen.
05:32:00 ER sitzt vor meinem Bett, ich weiß es.
05:32:20 Wenn ich die Augen aufmache hat er mich.
05:40:00 Ich kann seinen Atem hören, er ist noch da.
05:42:44 Stille...
05:45:00 Vorsichtig ein Auge auf
05:45:01 SEINE große feuchte Zunge sabbert über mein Gesicht
05:52:00 Mit IHM Gassi gehen, es regnet
05:54:25 ER aalt sich in einer Schlammpfütze
05:59:38 ER schüttelt sich neben mir
06:00:00 Ich bin vollständig dreckig
06:00:30 Ich schimpfe
06:01:00 ER tröstet mich auf seine Weise, springt mich an und leckt mein Gesicht
06:20:00 IHM Futter gegeben, wieder ins Bett
06:22:00 Futternapf leer, ER schiebt ihn durch den Flur
06:30:00 Schlafzimmertür geht auf...
15:12:00 Ganze Familie zum Kaffeetrinken ist da, ER ist nervös
15:14:00 ER springt Oma Hanna an
15:18:00 ER springt Tante Gertrud an
15:19:58 ER springt Tante Heidrun an
15:20:00 Tante Heidrun fällt
15:21:00 Tante Heidrun beschimpf IHN als Monster und fährt ab
15:21:30 ER kriegt einen Knochen zur Belohnung
15:30:00 Knochen vollständig vernichtet
15:34:00 ER hat deutlich gemacht, daß er raus will (Leine zerfetzt)
15:35:00 Seil gesucht, Gassi gehen
15:40:21 Wald, kein Mensch in Sicht
15:40:25 Ich wage es, Leinen los
16:02:30 IHN wiedergefunden, ist bei einer weißen Hündin
16:05:00 ER begattet die Hündin, beide Hunde glücklich
16:05:01 SIE ist ein reinrassiger (Dingsbums) und hat 5000,-DM gekostet
16:05:02 Versuch Hunde zu trennen scheitert
16:10:00 Addressen mit anderem Hundehalter getauscht
16:10:10 Bereit erklärt alle Welpen aufzunehmen
16:25:00 Freilaufenden Dackel überrannt...
16:25:30 siehe 16:10:00
16:30:00 Schäferhund getroffen, hübsches Tier
16:30:45 Hund spielen, niedlich
16:32:00 Riesenschnauzer kommt des Weges
16:32:40 Hund spielen, niedlich
16:35:00 Spaniel kommt des Weges, niedlich
16:36:00 Große Hunde spielen und benutzen den Spaniel als Ball
16:37:00 Addressen ausgetauscht
16:50:00 Vom Gassigehen zurück, ER steht vor Dreck
16:50:10 ER läuft ins Wohnzimmer, neeeiiiinnn
16:50:11 ER schüttelt sich
16:50:12 Ein Matschbrocken landet auf Tante Gertrudes Teller
16:50:13 Weitere Matschbrocken landen auf Tante Gertrude
16:51:00 Tante Gertrude beschimpft IHN als Monster und fährt ab
16:52:00 Er kriegt einen Knochen als Belohnung
17:00:00 Knochen vollständig vernichtet
17:00:01 Erinnerung: Der Schlachter sagte, da hat ihr Kleiner 'ne ganze Woche was von...
18:10:00 ER fühlt sich vernachlässigt, bringt mir seinen Gummiring zum spielen...
18:10:30 ER sitzt vor mir und sieht mich an
18:15:00 ER sitzt vor mir und sieht mich an.
18:20:00 ER sitzt...Ich blicke auf und sehe ihn an.
18:20:01 ER springt auf die Couch und leckt mein Gesicht.
18:22:00 Wir balgen auf dem Fussboden.
18:22:05 Sweatshirt zerissen
18:22:10 Ich sehe IHN anklagend an und schimpfe
18:22:11 ER freut sich, sein wedelnder Schwanz kippt eine volle Vase
18:22:12 KLIRR, Vase kaputt
18:22:20 Ich drohe mit der zusammengerollten Zeitung
18:22:21 ER freut sich
18:22:30 Ich haue zu
18:22:31 ER fängt die Zeitung ab und zerfetzt sie
18:22:32 Die Zeitung war von heute, noch nicht gelesen
18:30:00 Modem piept
18:30:02 ER steht vor dem Computer und bellt das Modem an
18:30:05 Connect 28.8, receiving WICHTIG.DAT 3.2 MB
18:32:00 Ich stelle das Putzzeug weg und eile zum Computer
18:32:01 ER bellt nicht mehr
18:32:02 tiefes, kehliges Knurren, ich noch 12 Meter weit weg
18:32:03 ER greift an, serielle Datenleitung zum Modem
18:32:04 NO CARRIER 


LAMENT OF A STUD DOG
(from DOG WORLD)

My job is making puppies, and I get two tries at that,
they pat me on the head and say „Good boy“ and that is that.

It’s half my job to give them teeth an toplines, fronts and other,
but remember: it’s only half my job ...they also have a mother !

It’s not my job to carry pups, and make them grow and nurse them,
and feed and clean and make them strong, that’s for the mother and a person.

It’s not my job to wean, feed calcium and the food,
and stack, gait and house break, and make them a „showing brood“.

It’s not my job to plan the breedings, and learn what produces well,
to study pedigrees and learn what’s what, and pick out those who sell.

It’s not my job to guarantee champs, the breeder picks the pair,
to mate and whelp and feed and show, and hope the champ is there.

It’s not my job to be on hand,when points are give out.

The breeder, owner, dam and friends, take credit with a shout.

It’s not my job to deliver a winner, ... it’s only genes I sell.

But - let the puppies turn put bad -
and guess who catches HELL !!!


KLAGE EINES DECKRÜDEN

aus dem Magazin Dog World

Es ist mein Job, Welpen zu zeugen - dafür bekomme ich zwei Versuche;
sie tätscheln mir den Kopf und sagen "Guter Junge" - und das war’s dann.

Es ist zur Hälfte mein Job, ihnen Zähne und Oberlinie, Front und Anderes zu geben,
aber - bitte bedenkt - es ist nur zur Hälfte mein Job ... sie haben auch eine Mutter !

Es ist nicht mein Job, für die Welpen zu sorgen, sie großzuziehen und zu säugen;
zu füttern und zu säubern, und sie stark zu machen: das ist Sache der Mutter
(und eines Menschen).

Es ist nicht mein Job, sie zu entwöhnen, mit Nahrung zu versorgen,
sie zu lehren, wie man steht und geht und sie zur "Ausstellungs-Brut" zu machen.

Es ist nicht mein Job, die Züchterei zu planen und zu lernen,
wer zu wem gut paßt, Ahnentafeln zu studieren
und zu lernen "Was ist Was"
oder die auszuwählen, wo "es sich auszahlt/lohnt".

Es ist nicht mein Job, Champions zu garantieren
- der Züchter wählt das Zuchtpaar aus -,
nicht mein Job, zu paaren, zu werfen, zu füttern, auszustellen
und zu hoffen: Das ist der Champion.

Es ist nicht mein Job, verfügbar zu sein,
wenn die Punkte vergeben werden;
Züchter, Eigentümer, Hündin und Freunden
wird das mit Freudengeschrei als Verdienst angerechnet.

Es ist nicht mein Job, Sieger zu liefern ...

es sind nur meine Gene, die ich zur Verfügung stelle !

ABER: Wenn die Welpen sich schlecht entwickeln

- und ratet dann, wen man zum Teufel wünscht !!

 

Punkti  - Angela Star of Cherryglen

Nach meiner Pensionierung konnten wir uns endlich einen Hund anschaffen.

Wir holten unser neues Familienmitglied -- ein ängstliches, sechs Monate altes Sheltiemädchen, das auf den Namen ``Punkti'' hörte -- im März 1999 von den Züchtern S.&F. Schulze im Burgenland ab. Punkti versuchte zunächst vor uns flüchten, wurde aber eingefangen und auf meinen Schoß gesetzt. Da saß sie nun zitternd wie Espenlaub, entspannte sich aber nach einigen Minuten und schlief schließlich mit einem Seufzer ein. Von da an fügte  sie sich offensichtlich in  ihr Schicksal, denn sie wich mir fortan nicht mehr von der Ferse. Meine Frau und ich wurden als ihr neues Rudel akzeptiert: Sie fraß von Anfang an problemlos, niemals weinte sie in der Nacht oder zeigte sonst irgend ein Anzeichen von Heimweh.
Nach kurzem Zwischenstopp in Wien waren wir in unser Haus in Steinbach am Attersee, OÖ, gefahren, welches uns für die Eingewöhnung eines Welpen geeigneter schien als die Wiener Wohnung. Punkte erforschte sofort Haus und Garten, nahm alles in Besitz und fühlte sich offensichtlich wohl. Im Garten konnten wir sie leider nicht frei laufen lassen, da ein Stück des nachbarlichen Zaunes im Winter unter der Last des Schnees zusammengebrochen und noch nicht repariert war; überdies ist das Nachbargrundstück auf der uns abgelegenen Seite von einem tief ins Gelände eingeschnittenen,von Büschen und Bäumen eingesäumten kleinen Bach begrenzt, nicht aber eingezäunt. Punkti mußte also auch in unserem Garten sicherheitshalber an der Leine bleiben.
Wir wollten ihr jedoch mehr Auslauf geben and nahmen sie daher täglich auf längere Spaziergänge mit. Für das Folgende ist es wichtig zu wissen, daß unser Haus auf abschüssigem Gelände steht; talwärts geht es zum direkt am Attersee gelegenen Ort, bergwärts zu weiten Waldungen am Fuße des Höllengebirges. Von unserem Haus aus gelangt man auf einem ebenen, den Hang querenden Zufahrtsweg zum sog. Güterweg Kaisigen, der sich in Serpentinen den Hang hinauf windet und am Wald endet. Gleichgültig ob wir berg- oder talwärts gehen wollten, mußten wir stets  zunächst zum Güterweg Kaisigen gehen, auf diesem dann ein Stück bergauf oder bergab marschieren, um dann einem der vielen kleinen Wege folgen zu können, die in  verschiedene Richtungen vom Güterweg Kaisigen abzweigen. Unabhängig vom gewählten Ziel mußten wir also wegen des teilweise steilen Geländes und der Wiesen- und Weideflächen stets gewisse Umwege nehmen.
Punkti ging zwar jedes  Mal ungern von zuhause weg (sie war unser erster Hund; wir wußten noch nicht, daß dies in der Eingewöhnungsphase typisch ist). Sobald wir uns aber einige Meter vom Gartentor entfernt hatten, lief sie freudig an der Leine mit. Sie war so anhänglich und folgsam, daß wir am dritten Tage den Entschuß faßten, sie versuchsweise einmal frei laufen zu lassen. Wir entfernten uns ca. einen Kilometer von unserem Hause und lösten auf einem kleinen Weg am Waldrand den Karabiner der Leine. Kein Problem. Punkti entfernte sich nie mehr als einige Meter, kam her, wenn sie gerufen wurde, und benahm sich insgesamt brav und unauffällig. Als wir uns einige Minuten auf einer Bank niederließen, erklärte sie die Umgebung zu ihrem Revier und verteidigte dieses energisch gegen andere Spaziergänger, die es gewagt hatten, in die Nähe zu kommen.
Als wir uns auf dem Rückweg befanden, vielleicht einen halben Kilometer von unserem Haus entfernt, gallopierte Punkti plötzlich ohne jede Vorwarnung an, folgte links einem von ihr noch nie begangenen Zufahrtsweg, der zu einer nahen Häusergruppe führt, und verschwand dann hinter einem Gebüsch in das unwegsame Gelände. Wir riefen ihr zwar sofort nach, aber sie war wie vom Erdboden verschluckt. Wir waren zutiefst erschrocken und verblüfft. Was hatte der kleine Hund vor? Meine Frau eilte in dieselbe Richtung, in die Punkti verschwunden war, ich -- damals etwas gehbehindert -- ging den Güterweg Kaisigen weiter talabwärts in Richtung auf unser Haus, in der Hoffnung, Punkti könnte vielleicht von selbst nach Hause kommen. Indes, alles Rufen und Suchen war vergebens. Auch meine Frau kam unverrichteter Dinge zurück; Punkti blieb verschollen.
Als wir zu unserem Haus kamen, bot sich uns ein unerwartetes Bild: Bei der kleinen Brücke über den schon erwähnten Bach, der unser Nachbargrundstück begrenzt, hatte eine Partie von Straßenarbeitern Position bezogen. Ein Preßluftaggregat lief dröhnend auf vollen Touren, der Preßlufthammer ratterte, auch sonst gab es reichlich Lärm und Durcheinander. Wir fanden gerade noch Platz zu passieren. Bei unserem Grundstück angelangt, stellten wir fest, daß Punkti auch nicht da war; insgeheim hatten wir doch gehofft, sie würde vielleicht nach Hause finden.
Wir standen vor dem Gartentor, es war schon 16 Uhr vorbei, und wir stellten uns das Schlimmste vor: Punkti allein in der Nacht im Wald, zitterend in ein Gebüsch verkrochen; Punkti hungrig und ohne Nachtlager; Punkti vom Jäger abgeschossen (zumal sie in der Dämmerung einem Fuchs nicht unähnlich war), Punkti auf einer Straße von einem Auto überfahren, etc. Während wir all diese schrecklichen Möglichkeiten Revue passieren ließen, sahen wir plötzlich eine kleine Gestalt über die Wiese neben dem Bach abwärts huschen, mit einem großen Satz von der Böschung auf die Straße springen und dann vor der Baustelle wie angewurzelt stehen bleiben: Punkti war im Begriff gewesen, heimzukehren! Kaum sah sie sich aber den Arbeitern  und deren Höllenmaschine gegenüber -- einer von ihnen warf gerade fluchend eine Schaufel, die ihm im Wege war, zur Seite --, schon sprang sie  mit einem Satz wieder die bergseitige Böschung hinauf und verschwand neuerlich in gestrecktem Gallopp in Richtung auf Wald und Berg.
Einen Augenbilck lang hatten wir also Hoffnung schöpfen dürfen, schon wurde diese wieder zunichte gemacht. Ohne den Arbeitstrupp wäre Punkti nun bei uns gewesen, aber so würde sie sich wohl endgültig nicht mehr nach Hause wagen. Wir verfielen wieder in Hoffnungslosigkeit und betraten in gedrückter Stimmung und Haltung unser Grundstück. Ich ging in Gedanken an die Schrecknisse, die Punkti bevorstanden, um das Haus auf die Gartenterrasse. Da saß eine kleine, fellige, zitternde Gestalt, dicht an die Terrassentüre gedrückt. Als sie mich sah, bewegte sich ihr Schwänzlein langsam hin und her, und ein goldgelbes  Bächlein quoll unter ihr hervor. Als wir Punkti in die Arme schlossen, machte sie Laute ähnlich denen eines schluchzenden Kindes.
Die für uns so überraschende (und glückliche) Erkenntnis war: Punkti hatte auf dem Heimweg vom Spaziergang, aus welchen Gründen auch immer, beschlossen, den Weg nach Hause abzukürzen. Sie war über ein ihr noch gänzlich unbekanntes, schwieriges Terrain querfeldein auf direktestem Wege nach Hause gelaufen. Irgenwo mußte sie sich eine zeitlang versteckt gehalten haben, vielleicht aus Angst vor den Arbeitern. Als sie uns zu Haus zurückkehren sah, wollte sie zu uns kommen, wagte sich aber doch nicht an der Baustelle vorbei und floh nochmals bergwärts. Sie muß dann die kleine Schlucht mit dem Bach sowie das anschließende Nachbargrundstück überquert haben, durch die Öffnung im Zaun auf unseren Grund gelaufen sein und kam doch noch vor uns beim Haus an. Da sie natürlich nicht in das Haus gelangen konnte, versteckte sie sich auf der Terrasse und wartete auf unsere Rückkehr.
Abgesehen von der Flucht an sich, hatte das kleine Tier ungemein intelligent gehandelt: Es verfügte offensichtlich über eine präzise Vorstellung der topographischen Verhältnisse (in der Psychologie als `mental map' bezeichnet), und zwar auch von jenem Terrain, das sie noch nie betreten oder aus der Nähe gesehen hatte. Sie wußte offensichtlich stets genau, in welcher Richtung es nach Hause ging. Und vor allem: Sie hatte unser Haus als ihrem Zuhause begriffen und fühlte sich nur dort -- d.h. also bei uns -- geborgen. Dies alles am dritten Tag, nachdem sie ihre natürliche Familie -- Mutter, Schwester, Großvater -- und ihr bisheriges Heim bei den Züchtern verlassen hatte.