Erster Sieg
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Mein erster Sieg

(Ferdinand Schulze, Mai 1994)

Innsbruck im Mai. Durch die unglaublich schöne Landschaft Tirols waren wir über die Autobahn nach Innsbruck gekommen. Es war Donnerstag und Feiertag und ein kurzer Urlaub. Die Internationale Hundeausstellung sollte am Samstag und Sonntag stattfinden, wir wollten mit unseren Shelties zur Ausstellung und zum Agility. Jerry (Baquero Black von der Sheltiemühle) sollte ausgestellt werden, und Giacomo (Zacharias Gold von der Sheltiemühle) sollte im Agility antreten.

Donnerstag nachmittag kamen wir am Campingplatz an. Viele Kameraden von Ausstellung und Agility wohnen nicht im Hotel, sondern am Campingplatz, und so wollten auch wir einmal ausprobieren wie das so ist. Das Zelt aufzustellen war eine zwar nicht einfache, aber doch rasch erledigte Sache und bald konnten wir uns dem Nachtmahl widmen. Durch die kühle Witterung war der Campingplatz kaum zur Hälfte belegt und rund um uns war viel freie Wiese. Darüber haben sich vor allem die Hunde gefreut, denn sie konnten dort, was ansonsten gar nicht üblich ist, ungehindert herumtoben. Der Abend war auf diese Weise rasch gekommen und auch die Zeit zur Bettruhe, zumal es heftig zu regnen begann. Es regnete die ganze Nacht und der Wind rüttelte am Zelt, aber das Zelt hat gehalten und wir sind nicht nass geworden. Der Freitag war sonnig und durch den nächtlichen Regen war die Luft klar und bekömmlich.

Den Tag über erkundeten wir die Stadt, die Einkaufsmöglichkeiten und das Gelände auf dem die Ausstellung stattfinden sollte, und  natürlich die besten Parkplätze, so dass am nächsten Tag keine Zeit durch Unkenntnis der Lage vertan werden würde. Am Abend haben wir uns noch mit  Fr. Christl Frühwirth, der Veranstalterin, in der Halle getroffen und mitgeholfen, den Teppich, auf dem der Bewerb stattfinden sollte, für den Bewerb herzurichten.

Der Samstag war gekommen und ich hatte mir vorgenommen diesmal die A2 zu bestehen, die wir noch immer nicht geschafft hatten. Die Trainingswoche im April mit Max Heiniger(CH) war sehr nützlich gewesen, Giacomo und ich haben sehr viel gelernt, aber auch an diesem Tag sollte es nicht sein. Nach jeweils guten Vorstellungen ging es immer irgendwo daneben. Giacomo spricht auf Körpersprache sehr gut an, aber eine falsche Bewegung von mir und die Suppe ist gegessen. So würde ich an diesem Sonntag bei der EM-Ausscheidung wieder nicht antreten können. Der Sonntag war da und Jerry sollte ausgestellt werden. Nach Lektüre des Katalogs waren wir ziemlich erledigt, denn die Konkurrenz schien übermächtig,

Klein Dortmund kann man da nur sagen. Deutschland hatte keine Kosten und Mühen gespart, und nicht wenige seiner besten Züchter waren gekommen. MCH Midnight Caller at Ceirrhig war da, und MCH Kelgrove Black Cap um nur wenige zu nennen. Und das Agility? Das Glück hat uns ein wenig angelächelt und sich dabei der Person der Fr. Christl Frühwirth bedient die es uns erlaubt hatte, bei der EMAusscheidung als 'weißer Hund 'anzutreten. Wer sagt da, Wiener und Vorarlberger können nicht miteinander (...und das keiner nicht Gsiberger sagt ihr Wienrr!). Wie am Samstag ging es auch am Sonntag weiter, wir hätten es auch da nicht geschafft waren aber sehr gut drauf. Giacomo war ganz gierig auf die Hindernisse, er flog richtig um den Parcours, hatte aber in gewissen Fällen seine eigenen Vorstellungen.

Nach dem Jumping begann das Richten der Shelties OKR und oh Freude schöner Götterfunke...Jerry hat das V2 gemacht, bei der Konkurrenz ein schönes Ergebnis. So war ich froh und gelassen als mir Andy Mayer mitteilte, es gibt noch ein Spiel, bei dem alle mitmachen können auch mein Hund und ich, und zwar in der Wertung -aber gleich gehts los, also gemma, gemma.

Ich und der Hund - nichts wie hin - war eine Sache. Richter Märker hatte den Parcour gerade fertig, die Besichtigung ging los. Ein Zeit-Fehler-Aus, ein sehr publikumswirksamer Bewerb, sozusagen ein umgedrehtes Jumping. Der Parcour hatte 17 Hindernisse und man durfte in 45 Sekunden soviel Hindernisse nehmen, so viele man ohne Fehler nehmen konnte. Dann zurück auf den Tisch so schnell man kann, denn bei Gleichheit zählt diese Zeit. Wir kriegen Startnummer 17, die höchste Startnummer, eine Ehre die sonst nur den Stars zuteil wird, aber es ist nur weil wir bei der Verlosung der Nummern noch beim Richten waren. Der Kurs ist schnell, flüssig aber voller Verleitungen, jedoch der gefürchtete Slalom ist fast am Ende, soweit werden wir wohl kommen, das wäre ein Platz im vorderen Mittelfeld, na denn ran. Ich beruhige den Hund und mich und sehe zu, wie die Anderen den Parcours meistern, bis auf Synve Lundgren sind alle da, Österreichs beste Minihunde: Falk von Lärchenbruch, Tiffany ...., lntense Ingo vom Cobenzl, und Österreich ist das Land des Europameisters im Einzel, Vizeeuropameister in der Mannschaft, und alle wollen gewinnen auch wenn es nur ein Spiel ist.

Endlich sind wir dran. Das Publikum etwa 300 Zuschauer - ist in guter Stimmung, es waren schöne Leistungen gezeigt worden und es führte Mag. Reichel und Tiffany, Mitglied der Vizeeuropameistermannschaft, mit 19 Hürden, na servas, das wird nicht leicht zu schlagen sein. Aber solche Nobodys wie wir zwei brauchen an so etwas gar nicht denken. Parcours frei! Der Richter fordert uns zum Start auf. Giacomo komm: Hürde - Hürde - Reifen -  Hürde - Hürde - Hürde, flieg mein Hund flieg, durch den Reifen von Hürde zu

Hürde, ich zeige mit meinen Schultern die Richtung, er ist voll im Trieb und ich gehöre jetzt ihm, bin sein Werkzeug, wenn ich versage ist die Strafe unser Scheitern. Jetzt kommt eine gefährliche Stelle der Tunnel um 90 Grad gebogen schräg anzulaufen Giaci HIIIER blitzschnell in den Tunnel weiter in den Achter - Hürde - Hürde - Sack  - Wendung - Reifen - Hürde. Der Schrecken aller Schrecken, der Slalom, kommt immer näher. Giacomo hatte in vorbildlicher Haltung und großer Sicherheit den schwierigsten Teil des Kurses fehlerfrei und schnell überwunden es hatte kein Zucken und Zagen gegeben, keine Unsicherheit aber jetzt der Slalom, wir sind nach wie vor volles Tempo unterwegs aus dem wir noch nie(!) einen Slalom geschafft hatten, ich war in voller Panik! GIACOMO HIIER ich wollte ihn langsam in den Slalom bringen "was willst du mein Herr, lass mich in Ruhe, ich mach das schon" die ganze Haltung des Hundes drückt dies aus während er unbeirrbar auf den Slalom zuläuft, ich kann nur noch Slalom rufen, da ist er schon drin. LINKS-RECHTS-LINKS-RECHTS so einem schnellen und fehlerfreien Slalom hat Giacomo noch nie geschafft und ein großes Gefühl der Freude überschwemmt mich, jetzt ist mir alles egal, ich geb nur mehr Gas. HEJA GIACOMO lauf-lauf-lauf nun feuere ich den Hund an Hürde - Hürde da kommt das Ziel und die Zeit ist noch nicht aus,

Kehre in den Parcours von neuem, Giacomo liegt in der Kurve wie ein Motorradrennfahrer und ist noch immer voll im Trieb und ich laufe so schnell ich kann mit dem Hund mit, der nun den Parcours schon kennt und selbständig läuft ohne das ich ein Kommando geben muss.

Wir kommen bis zum 24. Hindernis, Giaci HIIER zurück zum Tisch lauf-lauf-lauf ich ziehe voll durch beim Laufen, und verliere beinahe meine Hose so laufe ich... TISCH Giacomo TISCH beim Tisch angekommen gebe ich das Kommando zu spät und Giacomo läuft am Tisch vorbei und ich versuche den Hund zurückzurufen, plötzlich der Richter .. .ruhig du hast Zeit, ein paar Sekunden mehr spielen keine Rolle - - - - Giacomo TISCH PLATZ - - - zack, der Hund ist am Tisch und macht ein schönes Platz.  In seinem Gesichtchen gewitterleuchtet es, er ist außer sich und atmet schwer, ich nehme den Hund in meine Arme hebe ihn hoch und freue mich, freue mich, der Sieg ist unser. Heissa und Victoria.Was für ein Sieg! Ein großer Sieg, mit mehr als deutlichem Abstand zum Nächsten, vor großem Publikum am Tag des Hauptwettbewerbes, auch wenn dieser Sieg nirgends vermerkt werden wird, und zu gar nichts zählt, der golden glänzende Pokal ist einen halben Meter hoch und wird für mich immer eine schöne Erinnerung sein.